Quantum Computing ist kein blosses Zukunftsthema mehr: Die FINMA sieht bei vielen Finanzinstituten Nachholbedarf bei Governance und Risikomanagement.
Nach der Analyse einer Umfrage aus dem Jahr 2025 bei 60 Schweizer Finanzinstituten, darunter bewilligte Banken, Versicherungsunternehmen, Verwalter von Kollektivvermögen und Finanzmarktinfrastrukturen, hat die FINMA festgestellt, dass viele beaufsichtigte Institute die zukünftigen Risiken durch Quantum Computing zwar erkennen, konkrete Massnahmen zur Bewältigung dieser Risiken hingegen erst vereinzelt ergriffen werden. Dabei stellen die Risiken, die vom Quantum Computing ausgehen, kein bloss theoretisches Zukunfts-Thema dar. Die beaufsichtigten Institute müssen sich gemäss FINMA-Aufsichtsmitteilung 05/2026 vielmehr zeitnah damit auseinandersetzen und ihre Governance und ihr Risikomanagement entsprechend ausrichten. Das Thema ist nicht nur für den regulierten Bereich, sondern für alle Unternehmen von Bedeutung, da diese gleichermassen von den Chancen und Risiken des Quantum Computing betroffen sein können.
Was ist Quantum Computing und welche Chancen bringt es?
Quantum Computing bezeichnet eine grundlegend andere Art der Informationsverarbeitung auf Basis der Quantenmechanik. Während klassische Computer auf einem binären System basieren und mit Bits arbeiten, die entweder den Wert 0 oder 1 haben, arbeitet ein Quantencomputer mit Qubits. Diese können sich in einer Überlagerung (Superposition) der Zustände 0 und 1 befinden und zudem miteinander verschränkt sein. Dadurch können Quantencomputer bestimmte Berechnungen deutlich effizienter durchführen als klassische Computer. Es wird erwartet, dass sie künftig für bestimmte Anwendungsfälle Probleme lösen können, die mit heutigen klassischen Computern praktisch nicht oder nur mit sehr hohem Aufwand lösbar sind.
Welche Risiken bestehen durch Quantum Computing?
Die grössten Risiken durch Quantum Computing sind bei der Datensicherheit zu sehen, insbesondere in Bezug auf Verschlüsselungs-, Signatur- und Authentifizierungsverfahren. Weitere hohe Risiken können sich aus einer unvollständigen Migration zu quantensicherer Verschlüsselung, fehlendem Know-how, «harvest now, decrypt later» Angriffen sowie aus der Interoperabilität mit Legacy-Systemen ergeben. Die Relevanz des Themas, auch für nicht regulierte Unternehmen, wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass zahlreiche digitale Anwendungen unseres Alltags auf Verschlüsselungs- und Signaturverfahren beruhen. Dazu zählen etwa die sichere Kommunikation über das Internet, elektronische Identitäten oder Kryptowerte wie Bitcoin. Da viele dieser Technologien durch leistungsfähige Quantencomputer künftig angreifbar werden könnten, kommt dem Thema nicht nur aus technischer, sondern auch aus rechtlicher Sicht eine erhebliche Bedeutung zu.
Was empfiehlt die FINMA?
Fazit und Ausblick
Auch wenn die mit Quantum Computing zu erwartenden Chancen heute noch kaum genutzt werden, müssen sich Unternehmen bereits heute mit den daraus resultierenden Risiken auseinandersetzen. Die FINMA wird die Entwicklungen im Bereich Quantum Computing aktiv weiterverfolgen und das Thema verstärkt in ihre laufende Aufsichtstätigkeit aufnehmen.