COVID-19: Verrechnungspreise und Betriebsstätten

Auswirkungen von COVID-19 auf Verrechnungspreise und Betriebsstätten

Durch den Ausbruch des Corona-Virus werden multinationale Unternehmen oft mit einer unmittelbaren Veränderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konfrontiert, u.a. aus der Unterbrechung von Lieferketten oder infolge stagnierender Umsätze. Aber auch die klassischen Geschäftsmodelle und die entsprechend implementierten Verrechnungspreissysteme können Handlungsbedarf erfordern.

Auswirkungen auf klassische Prinzipalmodelle

Viele multinationale Konzerne haben ein klassisches Prinzipalmodell implementiert. Innerhalb der Wertschöpfungskette werden dabei einzelne Funktionen bspw. an Auftragsforschungs- und Entwicklungsunternehmen, Lohn- oder Auftragsfertiger sowie Routinevertriebsunternehmen (sogenannte LRD) ausgelagert. Diese Unternehmen üben lediglich Routinefunktionen aus und sehen sich nur geringen Risiken ausgesetzt bzw. werden über das implementierte Verrechnungspreissystem (finanziell) von den Risiken befreit. Dafür erhalten die Routineunternehmen lediglich eine geringe, aber stabile Vergütung. Der Residualgewinn, also die Differenz zwischen den Umsätzen mit fremden Dritten abzüglich der Vergütung der Routineunternehmen, verbleibt beim Prinzipal. Der Prinzipal profitiert infolgedessen von steigenden Konzerngewinnen, muss aber im Gegenzug die (finanziellen) Risiken innerhalb der Wertschöpfungskette tragen. Für den Prinzipal bedeutet dies, dass er die von den Routineunternehmen durch die Corona-Krise erlittenen Verluste grundsätzlich finanziell tragen muss. Dies führt beim Prinzipal zu einer erheblichen Belastung der Erfolgsrechnung sowie des Cashflows. Um als Prinzipal durch die Corona-Krise nicht selbst in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten, sollten deshalb Möglichkeiten einer (Verrechnungs-)Preis- bzw. Margenanpassung geprüft werden.

Für eine (Verrechnungs-)Preis- bzw. Margenanpassung kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht. Prinzipiell kann zunächst eine Korrektur der (Verrechnungs- )Preise und Margen innerhalb der durch Datenbankstudien ermittelten Bandbreiten erfolgen. Darüber hinaus ist es denkbar zeitnah eine neue Datenbankstudie durchzuführen und dadurch eine Bandbreite zu ermitteln, die von Routineunternehmen in vergleichbaren Rezessionsperioden erzielt wurden. Um die steuerliche Anerkennung sicherzustellen, ist ein zeitnahes Handeln und eine entsprechende Dokumentation erforderlich.

Gruppeninterne Finanzierungsleistungen

Der durch die Corona-Krise ausgelöste Finanzbedarf vieler Unternehmen kann neben einer Bankenfinanzierung auch durch konzerninterne Darlehen gelöst werden. Im Rahmen dessen ist jedoch auch jetzt eine dem Drittvergleich entsprechende Verzinsung zu beachten, die steuerliche Korrekturen beim Darlehensgeber einerseits und beim Darlehensnehmer anderseits, vermeidet. In der Schweiz sollten insofern die von der ESTV vorgegebenen Mindest- bzw. Höchstzinssätze berücksichtigt werden, soweit nicht ein anderer Zinssatz durch einen Drittvergleich (i.d.R. durch eine Datenbankstudie) nachgewiesen werden kann. Staatliche Unterstützungsmassnahmen und entsprechend anwendbare Zinssätze können diesbezüglich ebenfalls als Drittpreise hinzugezogen werden.

Seitens des Darlehensnehmers muss darüber hinaus sichergestellt werden, dass die aus der Fremdfinanzierung resultierenden Zinszahlungen steuerlich als Aufwand geltend gemacht werden können und nicht etwa Zinsabzugsbeschränkung die Abzugsfähigkeit verhindern.

Steuerrechtliche Behandlung von Homeoffice

In Zeiten des Corona-Virus arbeiten viele Mitarbeiter von Zuhause. Gerade in grenznahen Gebieten (aber auch im interkantonalen Verhältnis) stellt sich dabei die Frage, ob das Homeoffice eine Betriebsstätte begründet. In diesem Fall wäre eine entsprechende Steuerausscheidung vorzunehmen.

Die ESTV hat sich bereits zu dieser Problematik geäussert. Im Rahmen dessen kommt sie zu dem Schluss, dass ein „erzwunges“ Homeoffice aus heutiger Sicht nicht auf eine dauerhafte Tätigkeit ausgerichtet ist und schon aufgrund dessen keine Betriebsstätte begründet. Sollte die Tätigkeit im Homeoffice jedoch über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten andauern, ist die Situation für den konkreten Einzelfall zu prüfen. Meist wird es jedoch auch bei längerfristigen Anordnungen an der Verfügungsmacht des Arbeitgebers über die Homeoffice-Räumlichkeiten und an der ausschliesslichen geschäftlichen Nutzung mangeln.

April 2020 | Autoren: Thomas Linder, Dr. Hagen Luckhaupt, Simone Camenisch

Ihr Team

Ihr Kontakt

Wünschen Sie, dass wir Sie kontaktieren? Bitte füllen Sie das Formular aus und unsere Berater setzen sich gerne persönlich mit Ihnen in Verbindung.

Aus dem Magazin

Planungs- und Baurecht in der Coronakrise

Von der Coronakrise und der Erklärung der «ausserordentlichen Lage» durch den Bundesrat am 16. März 2020 ist auch das Planungs- und Bauwesen betroffen. Trotz Umstellung auf Homeoffice und dem damit einhergehenden eingeschränkten Dienstleistungsangebot der kantonalen und kommunalen Stellen, sind die Behörden bestrebt, die Planungs- und Baubewilligungsverfahren im Einklang mit den angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus aufrecht zu erhalten. Als Fachaufsichtsbehörde hat die Baudirektion des Kantons Zürich zu diesem Zweck am 26. März 2020 ein Kreisschreiben an die Gemeinden erlassen. Die nachfolgenden Erläuterungen sollen Auskunft darüber geben, wie die Verfahren im Bau- und Planungsrecht in der Coronakrise weitergelebt werden. Die Ausführungen beschränken sich auf den Kanton Zürich, wobei kommunal Unterschiede auftreten können.

Arbeit und Kinderbetreuung

Seit dem 16. März 2020 sind alle Schulen und Kindergärten in der Schweiz geschlossen. Hunderttausende Kinder müssen zu Hause bleiben. Doch wer zahlt dem Arbeitnehmer den Lohn, wenn er seine Kinder zu Hause betreuen muss? In unserem FAQ versuchen wir Ihnen einen Überblick über die häufigsten Fragen zu geben.

Versicherung bei Epi- und Pandemien

Die explosionsartige Verbreitung des Coronavirus und die einhergehenden behördlichen Einschränkungen des Geschäftslebens führt bei den Unternehmen und Selbständigen zu grossen, teilweise die Existenz bedrohenden Verlusten. Es empfiehlt sich auf alle Fälle zu prüfen, ob für den erlittenen Schaden eine Versicherungsdeckung besteht.

Steuerliche Entlastung

Der Bundesrat hat zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Ausbreitung des Coronavirus unter anderem eine Liquiditätshilfe im Steuerbereich beschlossen.

Homeoffice

Mit der Minimierung sozialer Kontakte durch Erlass entsprechender Massnahmen versuchen die Behörden zur Zeit die Verbreitung von Covid-19 zu verlangsamen. Dies betrifft nicht zuletzt auch das Berufsleben. Die Anordnung von Homeoffice stellt ein probates Mittel hierzu dar, birgt aber auch Herausforderungen.

Force Majeure im Vertragsrecht

In diesem Artikel wird die Frage erörtert, wie durch das Coronavirus verursachte vertragliche Leistungsstörungen rechtlich zu beurteilen sind und was rechtlich angewendet werden kann.

Liquiditäts-engpass

Durch die Massnahmen des Bundes bei der Bekämpfung des Coronavirus geraten vielen Unternehmen in der Schweiz in einen Liquiditätsengpass. Auch das Schuldbetreibungs- und Konkursrecht enthält Bestimmungen, die dem Schuldnerschutz dienen. Damit erhält der Schuldner Zeit, um den Liquiditätsengpass zu beheben.

Aktuelle Pandemie und behördliche Anordnungen

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus sind für Schweizer Unternehmen und deren MitarbeiterInnen immens. Wir stehen Ihnen für rechtliche und steuerliche Fragen rund um die aktuelle Pandemie und die Anordnungen der Behörden gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Kurzarbeit in Zeiten des Coronavirus

Die rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus wirkt sich bereits stark auf die Witschaftlichkeit zahlreicher Unternehmen insbesondere aus der Tourismus- und Eventbranche aus. Aus Arbeitgeber-Perspektive sollten Massnahmen zur Gewährleistung der Kontinuität des Unternehmens in Erwägung gezogen werden.

Coronavirus & Arbeitsrecht

Das neuartige Coronavirus breitet sich rasant aus. Ausser in China wurde eine Ansteckung von Menschen in fast 30 Ländern bestätigt. Auch Arbeitgeber und -nehmer stellt dies vor grosse Herausforderungen und wirft Fragen auf.

Alle Magazinbeiträge

Publikationen

  • Dr. Walter Frei

    Rechtsschutz in der Amtshilfe

    PDF

  • Der Vorsteuerabzug unter den Regimen des neuen Mehrwertsteuergesetzes in der Schweiz - EU-Kompatibilität des neuen Mehrwertsteuergesetzes

Alle Publikationen